DIE KRITISCHEN

(Im Vorfeld von Journalist*innen gecoacht, begleiten "Die Kritischen" das nationale Festival der Theaterjugendclubs "Spiilplätz", fangen Momente und Atmosphären ein und besprechen die Stücke in diversen Medien. Leitung: Barbara Boss und Saskia Winkelmann)

I bi o Fän!

diekritischen  Uncategorized  Juni 29, 2018, 3 Minutes

 

Barbara, 08.36: Babe, ich bin immer noch ganz erfüllt von gestern. Das erste, „Wer bin ich“ 

Saskia, 09.48: jaaaa! schon lange nicht mehr so viel spielfreude gesehen!

Barbara, 09.52: Ich fands auch wahnsinnig mutig. Das Thema und die Umsetzung. Chapeau he. Die babes sind noch so jung! Aber stellen genau die richtigen Fragen!

Saskia, 09.55: auch wenn ich die fragen an sich und das thema in dem alter schon auch ein bisschen obvious finde (jedenfalls habe ich mir diese fragen auch gestellt – und tue es immer noch) und deswegen im vorfeld etwas angst hatte, das könnte langweilig werden, war es das dann überhaupt nicht. die art und weise, die sprache und die choreos haben mich immer wieder überrascht.

Barbara, 09.57: Yaaas! Und jede/r einzelne hatte eine Wahnsinns-Präsenz.

Saskia, 10.00: stimmt. weil allen auch genug platz gegeben wurde. bin ein fangirl!

 

 

 

 

Zett – Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste 17.05.2017, Judith Hunger:
 

Sich freispielen

Erfolgreich im Beruf angekommen: fünf Theaterpädagogik-Alumni 

Theaterpädagoginnen und -pädagogen sind ausgesprochen vielseitig unterwegs; ihr Berufsfeld hat sich stark gewandelt und reicht heute von der traditionellen Arbeit mit Schülerinnen und Schülern an einem Schauspielhaus bis hin zu Projekten in Schulen oder Asylzentren. Fünf ehemalige ZHdK-Studierende haben für JUDITH HUNGER einen Steckbrief ausgefüllt.

Anja Lina Egli: «Die Verantwortung im Umgang mit Kindern und Teenagern ist besonders anspruchsvoll.»

Masterabschluss: 2013

Arbeitet für: Jugendklub des Tanzhauses Zürich, Jugendclub am Theater Tuchlaube Aara und beim TheaterAtelier3 in Zürich (davor: Kinderklub des Theaters Basel)

Macht da: zeitgenössisches Tanztheater mit Kindern und Jugendlichen (Spielklubleitung, Regie, Choreografie)

 

Das interessiert mich daran: die Kreation eigener Tanztheaterstücke mit Kindern und Jugendlichen und der Probenprozess als produktive Teamarbeit sowie ein hoher künstlerischer Anspruch an die Inszenierung und die Präsentation meiner Stücke

 

Besonders anspruchsvoll: die Verantwortung im Umgang mit Kindern und Teenagern, die Koordination verschiedener Projekte und Produktionsbeteiligter, je nach Einstellung des Arbeitgebers das Aushandeln fairer Arbeitsbedingungen, die Kinder nach einem Projekt, in dem man über die Monate zusammengewachsen ist, zu verabschieden

 

Erfolgsmomente: jedes Mal, wenn «meine» jungen Spielerinnen und Spieler voller Energie auf der Bühne stehen und sich freispielen und tanzen; wenn nach der Vorstellung begeistert diskutiert wird. Im August 2017 eröffne ich mein eigenes TheaterAtelier3, einen Freiraum für Kinder, Tanz, Theater und Philosophie, in dem ich Theaterkurse für Kinder aus dem Zürcher Kreis 3 leite.

> zum Artikel: zett.zhdk.ch/sich-freispielen/

AARGAUER ZEITUNG 15.05.15, Markus Christen:

Der Spielclub «Schein-Werfer» beleuchtet im Theater Tuchlaube mit einem zweihundert Jahre alten Kinderbuchklassiker heutige, vielgestaltige Familienverhältnisse.   

<< Dieses Schneewittchen ist ein Blumenkind, das seine Wurzeln im musikgeschwängerten Summer of Love führt. Dieses Schneewittchen ist ein Freigeist auf der Suche nach Nestwärme. Dieses Schneewittchen steht für das moderne, orientierungsoffene Leben, eine Projektionsfläche für das Wunschtheater einer erwachsenden Generation.

In seiner jüngsten Inszenierung «Schneewittchens Geschwister», die am Mittwoch im Theater Tuchlaube Premiere feierte, lehnt sich der Spielclub «Schein-Werfer» an den Erzählstrang des Märchens der Brüder Grimm an. Der Zugriff auf die bekannten Motive und Themen des zweihundert Jahre alten Kinderbuchklassikers erfolgt dabei stets mit Blick auf heutige, vielgestaltige Familienverhältnisse.

Zusammen mit ihren 12 bis 16 Jahre alten Schauspielerinnen und Schauspielern hat Spielclubleiterin Anja Lina Egli ein Theaterstück erarbeitet, in dem die spielenden Jugendlichen ihre eigenen Erlebniswelten, ihre Ängste, Hoffnungen und insbesondere ihre weitläufigen, auch digitalen Orientierungspunkte verarbeiten konnten. Die Inszenierung zog das Premierenpublikum während einer Stunde in seinen Bann. Beeindruckend ist das mutige Spiel der Jugendlichen, das jegliche Unsicherheit und Nervosität überwindet. Gross ist die Spielfreude, welche die einzelnen Akteure zu einem famosen Ensemble formt. Spielleiterin Egli ist stolz auf die Leistung ihrer Theatergruppe. «Die Jugendlichen haben wirklich viel und hart gearbeitet. In den letzten zwei Wochen, sogar noch in den letzten zwei Tagen, haben sie einen gewaltigen Sprung gemacht.»

Überzeugend ist aber auch die szenische Umsetzung mit ihrem grossen Spielraum für Rollenwechsel. Die lineare Erzählung des Märchens bildet ein Gerüst, das mit der modernen Ästhetik aus Computerspielen, Musikclips und Filmsequenzen verkleidet wird. Als augenfälligste Pointe in diesem Wechselspiel aus Tradition und Moderne wird aus dem Märchenapfel des Schneewittchens kurzerhand ein Apfel-Smoothie.

«Die Inszenierung sollte den Jugendlichen ermöglichen, eigene Grenzen zu überwinden und neue Spielmöglichkeiten kennenzulernen», sagt Anja Lina Egli. Mit Bravour haben die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler die Herausforderungen gemeistert, die sie mit ihrem Theaterstück eingegangen sind. >>    (az Aargauer Zeitung)    

AARGAUER ZEITUNG, MAI 2014, Noelle König:

Der Tanz folgt dem Rhythmus des Herzens.

«AUSSENBLICK 2015»

DIE UNABHÄNGIGE FESTIVALREDAKTION DES 1. JUGEND THEATER FESTIVAL SCHWEIZ. JUNGE THEATERMACHERINNEN SCHAUEN, BEFRAGEN UND POSITIONIEREN SICH ZU DEN INSZENIERUNGEN.

Johanna-Maria Raimund, Redaktion Jugendtheater Festival:

 

one dream later – von der Angst alleine im Dunkeln zur gemeinsamen Weltutopie

<< Neun Aargauer Jugendliche des Tuchlaube-Jugendclubs Schauspiel-Tanz SCHEIN_WERFER öffnen die Türen ihrer Jugendzimmer und füllen die Bühne mit Musik aus ihren Kopfhörern, ihrer Sicht auf die aktuelle Weltlage, ihrer ansteckenden Lebensfreude und dem, was sie anstelle der immer nur negativen Schlagzeilen gerne einmal in den Medien hören würden.
Das Stück beginnt mit jugendlichen Stimmen im Dunkeln, die von ihren Ängsten erzählen. Das sind einerseits Dinge wie „ich habe Angst, das jemand stirbt, den ich gerne habe“, andererseits aber auch Angst, auch in der Schweiz nicht sicher vor Krieg zu sein.
Das Publikum lacht verständnisvoll und es bleibt nicht das letzte Mal an diesem Abend, dass sich in den textlich und darstellerisch gezeigten Situationen sowohl die zuschauenden Jugendlichen als auch die Erwachsenen selber wieder erkennen.
Mit dem Geräusch eines schlagenden Herzens (die erste Referenz auf das Lied „Wake me up when it`s all over“, das sich in verschiedenen Sprachen durch das ganze Stück zieht) wird es auf der Bühne heller und durch die Poster-behängte Tür im Hintergrund stürmt ein/e Jugendliche/r nach dem anderen sein bzw. ihr Zimmer, beinahe alle mit einer riesigen Wut auf irgendetwas im Bauch.
Kaum haben sie jedoch ihren Ort auf der Bühne gefunden, ihr Handy oder ihren Musikplayer in der Hand, wird es erstmal still.

„They say I'm caught up in a dream
Well life will pass me by if I don't open up my eyes
Well that's fine by me“, heißt es in „Wake me up...“.
Doch die Resignation der letzten Zeile ist es nicht, die hier gezeigt werden will:

Plötzlich - vollkommen unangestrengt, als seien es einfach ihre Träume oder Gedanken, die sichtbar werden, beginnen sie einer nach dem anderen zu tanzen.
Die Wut vom Anfang verwandelt sich durch diesen Tanz immer mehr in eine unglaublich authentische Lebensenergie und Freude, in den nächsten Szenen schließen sie sich nach und nach zu einer bunten Gruppe zusammen, die gemeinsam lacht, sich streitet und sich dann doch wieder versöhnt. Es macht wahnsinnig Spaß ihnen bei all dem zuzusehen.
Eine kleine Extraszene gehört den drei Jungs, sie ist ein besonders gelungenes Stück Abbildung von jugendlicher Lebensrealität.
Gemeinsam denken die Jugendlichen vor einer Kamera laut darüber nach, was in ihre perfekten Welt anders sein müsste als in der wirklichen Welt, deren Gewicht sie zwischendurch auch mal schwer auf den Schultern spüren und in Form der anderen Mitspieler durch den Raum schleppen.
Von einem Schülerlohn über Hitzefrei bis zum Weltfrieden ist alles dabei, bewegt sich aber leider etwas weit in utopischen Höhen.
An diesem Abend wird dem Publikum ein kleiner Einblick in die Welt dieser Jugendlichen gewährt, der trotz der auch ernsten Themen immer unterhaltsam bleibt.
Die Gruppe hat zwar einerseits Liedtexte gewählt, die vom Träumen und immerwährenden Warten auf einen Superhelden anstelle von wirklichem Handeln sprechen, wollen aber andererseits gar nicht so Kopfhörer –zugestöpselt und unerreichbar sein, wie es am Anfang des Stückes kurz schein - sie sind sehr an den Ereignissen in der Welt und an der Veränderbarkeit dieser Welt interessiert.
„Wir wollen in dieser Welt leben und sie verändern“, heißt es im Nachgespräch.
Wenn sie mit der gleichen Energie wie auf der Theaterbühne zu dieser Veränderung der Welt ansetzen, darf die Welt gespannt sein! >>                                                  

 

AARGAUER ZEITUNG, 27.09.13, Janine Müller:

Am 16. Oktober startet das Aarauer Theater Tuchlaube in die Saison 2013/14.

Ein Augenschein in einer Probe des Jugendclubs Schein-Werfer.

<< Sie schlurft über den Boden. Gesenkter Kopf, hängende Schultern. Marina geht es nicht gut. Sie fährt sich müde durch die Haare, schaut mit ausdruckslosem Blick um sich; lässt sich auf den Boden fallen. Marina ist 15 Jahre alt. Hat genug von ihren Eltern, genug von der Schule und genug vom permanenten Leistungsdruck. Sie will abhauen. Frei sein.
Im richtigen Leben geht es Marina gut. Die Schülerin übt zusammen mit fünf anderen 13- bis 15-jährigen Jugendlichen nur ein Theaterstück, das eigentlich eine Tanzchoreografie ist. Das Thema: Einfach abhauen. Nach dem gleichnamigen Jugendroman von Gudrun Pausewang.
Theaterpädagogin Anja Lina Egli lässt ihre Gruppe im Proberaum des Theaters Tuchlaube Aarau die Szene wiederholen. Sie zählt im Takt der Musik an. Fünf, sechs, sieben, acht. Marina lässt sich auf den Boden fallen. Liegt wie ein Embryo am Boden. Den Kopf versteckt sie unter den Armen. Welt aus. Probleme weg. Fünf, sechs, sieben, acht. Marina rauft sich im Takt der Musik auf. Fällt wieder zu Boden. Musik aus.
Die Arbeit mit Jugendlichen sei speziell, sagt Egli. Vor allem in diesem Alter. «Es laufen die Prozesse der Meinungsbildung und der Identitätsfindung.»
Nur: Abhauen wollen ihre Jugendlichen nicht, sagt Egli erstaunt. War es doch bei ihr in diesem Alter genau umgekehrt. Eingetaucht sei sie in das Buch. Der Wunsch abzuhauen, unabhängig zu sein und Abenteuer zu erleben, wuchs damals vor gut zehn Jahren auch in ihr.
Ideen der Jugendlichen gefragt

«In der ersten Probe sagten sie: Warum sollten wir hier wegwollen? Es geht uns doch gut hier.» Es liegt nun an Egli herauszufinden, was ihre Jugendlichen unter «Ausbrechen» verstehen.
Mit Ideen von beiden Seiten soll die Tanz-Theaterperformance langsam entstehen. Für die Theaterpädagogin, aber auch für die Jugendlichen ist es ein Sprung ins Ungewisse. «Los, nochmals!», ruft Egli den Jugendlichen zu. Stöhnen.
«Machen wir das den ganzen Abend?», will Yannik, der einzige Junge, wissen. Wieder geht die Musik an. Fünf, sechs, sieben, acht. Schlurfen. Umfallen. Aufstehen. Umfallen. Musik aus. Und alles noch mal von vorne. Musik an.
Gekicher und Diskussionen

Die Jugendlichen keuchen vor Anstrengung. Sie sinken erschöpft zu Boden und schauen einander an. Dann Gekicher. «Waren wir gleichzeitig?» – «War ich zu früh?» – «War ich zu spät?» – «Ich kann das nicht.» Die 13- bis 15-jährigen Jugendlichen diskutieren das Dargebotene, kritisieren einander. Lobende Worte von Egli hier. Beruhigende da.
Es ist erst die dritte Probe. Bis zur Premiere im Mai 2014 ist noch Zeit. >>     (az Aargauer Zeitung)

© 2019 by Anja Lina Egli

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